Der Reifenaufbau
Woraus besteht ein Autoreifen?

Der Reifenaufbau – Woraus besteht ein Autoreifen?

Wer bei Autoreifen an einen simplen Kautschuk-Schlauch mit Profil denkt, unterschätzt den Aufwand, mit dem heutige Reifen hergestellt werden. Der Aufbau ist komplex – kann jedoch das Verständnis für die Technik erweitern und bei der Auswahl passender Reifen für das eigene Auto helfen.


Der moderne Reifen – Unterschied zwischen Diagonal- und Radialreifen

Prinzipiell unterscheidet man in der Reifenherstellung zwischen Diagonal- und Radialreifen, was jeweils die Anordnung der einzelnen Schichten der Karkasse – des tragenden Gerüstes – beschreibt. Bei Diagonalreifen kreuzen sich die Cordfäden der einzelnen Gewebeunterbau-Lagen in einem spitzen Winkel bis zu 40 Grad. Bei Radialreifen sind diese radial im Winkel von bis zu 90 Grad angeordnet. Zwischen Karkasse und Lauffläche verläuft ein zusätzlicher Gürtel aus mehreren Textilfasern oder Stahlseilen.

Radialreifen haben Diagonalreifen als Standard abgelöst, da sie eine wesentlich größere Lebensdauer haben, deutlich stabiler sind und bessere Fahreigenschaften aufweisen. Die Mehrzahl aller Pkw- und Lkw-Reifen fährt dementsprechend mit Radialreifen, Diagonalreifen kommen vereinzelt im landwirtschaftlichen Bereich oder am Motorrad vor. 

Wie ist ein Autoreifen aufgebaut?

Reifenstapel

Insgesamt besteht ein moderner Reifen für Pkw oder Lkw aus etwa 25 Bauteilen. Grob lässt er sich in drei Bereiche einteilen:

  • Die Lauffläche oder der Laufstreifen
  • Der Stahlgürtel
  • Die Karkasse

Bei der Lauffläche handelt es sich um den Bestandteil des Reifens, der in direktem Kontakt mit der Fahrbahn steht – also das eigentliche synthetische Kautschuk-Profil. Der Gürtel ist wiederum die mehrlagige formstabile Schicht aus Stahlgewebe und Kunstfasern, auf der die Lauffläche aufliegt. Der Gürtel sitzt direkt auf der Karkasse, die auf der Felge aufliegt.

Ein moderner Autoreifen besteht aus bis zu 25 Bauteilen.

Was ist die Karkasse am Reifen?

Die Karkasse stellt den „Körper“ des Reifens dar, inklusive der Seitenwand und der Wulst, die an der Felge befestigt wird. Da die Karkasse mindestens aus einer Lage in Kautschuk gefassten Stahlcords besteht, ist sie für die Formfestigkeit des Reifens entscheidend. Die sogenannte TPI- oder EPI-Zahl der Karkasse gibt dabei die Anzahl der Fäden pro Zoll Oberfläche an. Auf einen Schlauch, wie man ihn von Fahrradreifen kennt, verzichten Auto-Karkassen vollständig.

Die mehreren Lagen Stahlcord sind mit Messing beschichtet, um den Stahl vor Rost zu schützen. Werden jedoch Gummi und Messing beschädigt, kann es im Zuge von Feuchtigkeitseintritt zu Rost kommen. Aus diesem Grund greift man bei einem Karkassenschaden am besten direkt zu einem neuen Reifen.

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Aus welchem Material besteht ein Autoreifen?

Kurz gesagt: Reifen bestehen aus Gummi, Stahl und Textil. Neben Stahlcord für die Karkasse sowie Stahlgewebe und Kunstfasern für den Gürtel, macht Kautschuk mit rund 40 Prozent den Löwenanteil des Reifens aus. Hinzu kommen Füllstoffe wie Ruß, Silica oder Kohlenstoff. Daneben werden Öle und Herze als Weichmacher sowie Chemikalien für die Vulkanisation und Haltbarkeit eingesetzt.

Die Gummimischungen, die für einen modernen Reifen verwendet werden, sind jedoch komplexer als es der einfache Begriff suggeriert. In einem Autoreifen können bis zu zehn unterschiedliche Gummimischungen zum Einsatz kommen. So werden die verschiedenen Bereiche an Karkasse und Lauffläche auf spezielle Anforderungen und Eigenschaften optimiert: An der Wulst etwa wird eine Mischung mit hoher Steifigkeit benötigt, um eine feste Verbindung mit der Felge zu gewährleisten. Die Gummimischung für die Lauffläche wiederum enthält Ruß und Silica – damit bleibt sie abriebfest und verfügt zugleich über einen effektiven Rollwiderstand, und damit eine gute Traktion.

Aufbau von Sommerreifen


Aufbau von Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen

Der grundlegende Aufbau unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen den einzelnen Reifen-Arten. Der Hauptunterschied liegt in der Beschaffenheit der Gummimischung von Winterreifen, Sommerreifen und Ganzjahresreifen sowie in der Form des Profils:

  • Sommerreifen: Festere Kautschuk-Mischung für weniger Abrieb und geringen Rollwiderstand bei hohen Temperaturen
  • Winterreifen: Weichere Kautschukmischungen für unter 7° C. Über 7° C höherer Abrieb und Rollwiderstand
  • Ganzjahresreifen: Bestmöglicher Kompromiss – um 7° C ideal, aber bei sehr hohen und sehr niedrigen Temperaturen schlechter als spezialisierte Reifen

Die Profile sind auf die jeweiligen Wetter-Gegebenheiten optimiert: Winterreifen verfügen zusätzlich zum eigentlichen Profil über unzählige kleine Einschnitte – „Lamellen“ genannt – die auf Schnee und Matsch für eine bessere Haftung sorgen. Die Profile von Sommerreifen sind indes so geschnitten, dass sie ein gutes Verhältnis von Traktion und Rollwiderstand darstellen und bei Regen Feuchtigkeit leichter ableiten. Ganzjahresreifen suchen auch hier den Kompromiss: Zwar haben sie auch Lamellen für den besseren Grip, diese sind aber meist nur in der Mitte der Lauffläche angeordnet.

Aufbau von Winterreifen


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